Atmung & IHHT

Atmen gehört zu den wichtigsten Funktionen unseres Körpers. Oft denken wir, dass wir hauptsächlich atmen, um Sauerstoff aufzunehmen. Tatsächlich spielt jedoch auch Kohlendioxid (CO₂) eine entscheidende Rolle. Besonders im Zusammenhang mit der Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie (IHHT) ist das Verständnis dieser Zusammenhänge wichtig.

Warum wir überhaupt atmen

Mit jedem Atemzug nehmen wir Sauerstoff auf. Dieser wird über die Lunge ins Blut transportiert und dort an das Hämoglobin der roten Blutkörperchen gebunden. Hämoglobin bringt den Sauerstoff zu unseren Organen, Muskeln und Zellen, wo er für die Energieproduktion benötigt wird.

Gleichzeitig entsteht bei jeder Stoffwechselaktivität Kohlendioxid. Dieses CO₂ wird über das Blut zurück zur Lunge transportiert und ausgeatmet.

Die wichtige Rolle von Kohlendioxid

Kohlendioxid wird oft nur als „Abfallprodukt“ betrachtet. In Wirklichkeit hat es jedoch lebenswichtige Aufgaben:

  • Regulation des Atemantriebs
  • Steuerung des Säure-Basen-Gleichgewichts
  • Erweiterung der Blutgefäße
  • Verbesserung der Sauerstoffabgabe aus dem Hämoglobin in die Zellen

Gerade der letzte Punkt ist entscheidend. Sauerstoff muss nicht nur im Blut vorhanden sein – er muss auch tatsächlich im Gewebe ankommen.

Ein ausreichender CO₂-Gehalt ist notwendig für die Freisetzung von Sauerstoff aus dem Hämoglobin. Sinkt CO₂ zu stark ab, hält das Hämoglobin den Sauerstoff fester gebunden. Die Sauerstoffsättigung im Blut kann dann zwar hoch erscheinen, aber die Versorgung der Zellen verschlechtert sich.

Kohlendioxidtoleranz – ein unterschätzter Faktor

Die Fähigkeit des Körpers, einen gewissen CO₂-Anstieg zu tolerieren, nennt man Kohlendioxidtoleranz. Menschen mit guter CO₂-Toleranz atmen meist ruhig, langsam und effizient. Der Körper kann Sauerstoff besser verwerten und bleibt auch unter Belastung stabil.

Ist die CO₂-Toleranz dagegen niedrig, reagiert der Körper empfindlich auf kleinste CO₂-Anstiege. Die Folge ist häufig ein ungünstiges Atemmuster.

Hyperventilation und ihre Folgen

Bei einer Hyperventilation wird mehr CO₂ abgeatmet, als der Körper produziert. Dadurch sinkt der CO₂-Spiegel im Blut.

Dies ist eine stressbedingte Reaktion des Körpers, die zu einer schlechteren Sauerstoffabgabe an die Zellen und instabilen Sauerstoffsättigung führt. So können unbewusst schnell ungünstige Atemmuster entstehen, die mit zahlreichen Erkrankungen assoziiert sind.

Je flacher die Atmung und je häufiger über die Brust geatmet wird, um so mehr Restluft verbleibt in den Lungen, so dass auch weniger Sauerstoff aufgenommen werden kann.

Was ist IHHT und warum ist sie bei neuronalen Erkrankungen relevant?

Das Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training (IHHT) ist eine Atemtherapie, bei der im Ruhezustand abwechselnd sauerstoffärmere und sauerstoffreichere Luft eingeatmet wird. Diese gezielten Sauerstoffwechsel setzen Anpassungsreize auf zellulärer Ebene insbesondere dort, wo Energie- und Regulationsprozesse gestört sind.

Direkter Zusammenhang mit IHHT

Bei der IHHT wechseln sich Phasen mit reduziertem Sauerstoff (Hypoxie) und erhöhtem Sauerstoff (Hyperoxie) oder Normoxie ab. Ziel ist es, die Anpassungsfähigkeit der Mitochondrien und des Energiestoffwechsels zu verbessern, aber auch Atemmuster zu optimieren.

Die Reaktion auf Hypoxie hängt jedoch stark vom Atemverhalten und von der CO₂-Toleranz ab.

Menschen mit niedriger CO₂-Toleranz neigen während der Hypoxie schneller zu verstärkter Atmung oder Hyperventilation. Dadurch fällt der CO₂-Spiegel zusätzlich ab. Dies bedeutet eine schlechtere Abgabe von Sauerstoff ans Gewebe bei gleichzeitig hoher Sauerstoffsättigung (hohe Sauerstoffbindung des Hämoglobins).

Die Sauerstoffsättigung zeigt dem Therapeuten über Pulsoximeter nun normalerweise eine adäquate Dosis für das Hypoxietraining an. Diese suggeriert bei einer Hyperventilation mit hoher Sättigung einen scheinbar grünen Bereich. Nun wissen wir aber, dass ein ungünstiges Atemmuster eine hohe Sättigung anzeigt, die aber den effektiven Hypoxiereiz falsch niedrig darstellt.

Hier beginnt die Arbeit des erfahrenen Therapeuten, der die Hypoxie-Dosis richtig einschätzen muss!

Wie ihr Eure CO₂-Toleranz mit einem einfachen Test selbst einschätzen könnt, zeigt der nachfolgend beschriebene BOLT-Atemanhaltetest.

BOLT-Atemanhalte­test (Body Oxygen Level Test)

Durchführung

  1. Setze dich entspannt hin und atme 2–3 Minuten ruhig durch die Nase.
  2. Atme normal ein und normal aus — nicht tief einatmen.
  3. Nach dem Ausatmen halte die Luft an und die Nase zu. Dann stoppe die Zeit bis zur nächsten Einatmung.
  4. Beende den Test beim ersten deutlichen Atemreiz:
  5. Sofort wieder ruhig durch die Nase einatmen. Der erste Atemzug soll kontrolliert bleiben.

Auswertung

BOLT-WertBedeutung
unter 10 sstarke Überatmung / geringe CO₂-Toleranz
10–20 sverbesserungsbedürftig
20–30 sdurchschnittlich
30–40 sgut
über 40 ssehr gute Atemökonomie

Empfehlung

  • Test morgens oder in Ruhe durchführen.
  • 2–3 Messungen machen und den besten stabilen Wert notieren.
  • Regelmäßiges Nasenatmen und langsameres Atmen verbessern den Wert oft innerhalb weniger Wochen.

Gerne beraten wir Euch persönlich an einem unserer FIT TEAM Hypoxie-Standorte und zeigen Euch den Nutzen des IHHT für Atmung, Energie und Stoffwechsel auf.

Scheut Euch nicht, uns unverbindlich zu kontaktieren.